Fantas Schimun – Golden Balls – LP

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Description

Die goldene Kugel als Sinnbild vollkommenster Perfektion und Schönheit, der goldene Ball als Spielzeug verwöhnter Prinzessinnen, die “golden balls” als körperlose, hochgeschätzte Genitaljuwelen – der Albumtitel bleibt vieldeutig und das ist gut so. Denn es sind offensichtlich mehrere Bälle im Spiel. Körper und Identität, Schönheit und Sterblichkeit, Individuum und Gesellschaft, Dekonstruktivismus und Postmedialität, der Horizont ist weit gesteckt.

„Golden Balls“ besticht durch Souveränität, Klarheit und Konsequenz: In der Auswahl der Motive, den musikalischen Arrangements und in der Wahl der MusikerInnen. Nur ein Bruchteil der Musik verlässt sich auf elektronische Samples, das gesamte Album ist weitgehend analog eingespielt. Schimuns erklärtes Ziel, ein Album zu machen, „in dem die Musik im Vordergrund steht“ geht allerdings über bloßes Analogtum hinaus. Vielmehr gilt es, „die Musik“ als Träger kultureller und politischer Codes dem Schlamm der „Populärmusik“ zu entwenden und den Code auf eine neue Weise hörbar und lesbar zu machen.

Fantas Schimun hat den Großteil der Texte selbst geschrieben. Ihr virtuoser Umgang dabei mit Anleihen aus Musikgeschichte, Film, Literatur und Philosophie verleiht dem Album eine Multidimensionalität, die sich schnellem Konsum entzieht. Mit dem Zitat als Kommentar, Wegweiser, Köder und Fährte, führt „Golden Balls“ den Hörer in eine seltsam vertraut anmutende Gegenwart, die von Schimun beunruhigend neu aufgemischt wird. Ähnlich den Bildern einer laterna magica gewinnen die Lieder eine cineastische Qualität, je intensiver und öfter man ihnen zuhört. Dass sich in diesen Bildern stets etwas oder jemand zu bewegen scheint, ist nicht nur den überraschenden Instrument-, Tempi- oder Stilwechseln geschuldet. Mehr noch sind es die doppelbödigen Texte und deren immanente Dekonstruktion, die den Eindruck erwecken, hier gehe etwas über den Rahmen hinaus und in das Gehirn hinein.

Wir leben zwar seit Dekaden mit den Wellen unterschiedlichster Protestbewegungen, doch wichtiger als sich in Einfalt miteinander zu verschwören, ob nun gegen globale Übewachung oder die globale Erwärmung, könnte es sein, sich der Vielheit und ihrer Multiplikatoren bewusst zu werden. „How every truth easily becomes a lie“ fordert nichts weniger als die Desillusion als Anstoß zur Handlung zu nehmen – im Hier und Jetzt. Damit schließt der Song wieder nahtlos an den ersten Track des Albums an, „Back to the Present“. Ein guter Grund, aber sicherlich nicht der einzige, bei „Golden Balls“ sofort wieder auf “Replay” zu gehen.

„Golden Balls“ ist kein Album für die schweigende Mehrheit. Es ist nichts für Bequeme, Egotisten, Schnellzufriedene. Es mag der Weltverbesserung eine Absage erteilen und es stellt Fragen, deren Beantwortung einen Blick in die eigenen Spiegel verlangen. Nützlich ist es, mehrere Bälle im Spiel zu halten und vielleicht nur einen Teil davon in diversen Brunnen zu versenken. Und uns davon überraschen zu lassen, wer uns unaufgefordert den Ball zurückgibt.

Vinyl LP

Tracks:

A1 Back To The Present
A2 Unsere Schatten Werfen Unterschiedliche Fratzen In Den Spiegel
A3 Golden Balls
A4 Aaahrgh
B1 Los Muertos
B2 Hello
B3 Bunch
B4 How Every Truth Easily Becomes A Lie